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Hans-Clarin-Platz

Die "Vizinalbahn" von Aschau nach Prien hat eine lange Tradition.

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Bahnhof Aschau

Bahnhof Aschau

Die "Vizinalbahn" von Aschau nach Prien hat eine lange Tradition.
Gebaut wurde sie in den Jahren 1877/78 auf Betreiben des Nürnberger Schwerindustriellen Dr. Theodor von Cramer-Klett, der zwei Jahre zuvor Schloss und Besitz Hohen¬aschau von der Gewerkschaft Achthal–Hammerau erworben hatte.

Durch den Bau einer Verbindung zur schon bestehenden Hauptstrecke München–Salzburg sah er die Möglichkeit, den Holzreichtum des Prientales wirtschaftlich zu vermarkten. Der Anschluss an das Schienennetz, der schließlich am 18. August 1878 erfolgte, brachte aber neben dem ökonomischen Aspekt, den Cramer-Klett vorwiegend im Auge hatte, dem ganzen Priental einen entscheidenden Impuls in Richtung Tourismus.

Zum besseren Verständnis muss ich Ihnen dazu ganz kurz die damalige Situation erklären. Die Gemeinden des Prien¬tales und viele Menschen darüber hinaus lebten seit Mitte des 16. Jahrhunderts primär oder sekundär von der Eisenverarbeitung. Der damalige Herrschaftsinhaber, Pankraz von Freyberg, hatte sich an den Erzgruben am Kressenberg (heute Autobahnausfahrt Neukirchen) und an der Eisenproduktion beteiligt.

Er sah darin die große Chance, die dichten Waldungen des Prientales für die notwendigen Verarbeitungsschritte bei der Eisenerzeugung gewinnbringend zu verrenten. Dazu müssen Sie bedenken, dass das Holz neben der Wasserkraft die wichtigste Energiequelle darstellte. Holz war aber im Bereich der Erzgruben wegen deren Nähe zu den ebenfalls Holz verbrauchenden Salinen in Reichenhall und Berchtesgaden knapp und deshalb kostbar geworden.

So rentierte es sich, Eisenerz nach dem ersten Schmelzvorgang (in Form von "Flossen") über 40 km zu Lande und teilweise über den Chiemsee auf Fuhrwerken bis zu den Eisenwerken am Hammerbach, südwestlich von Schloss Hohenaschau, zur Weiterverarbeitung zu transportieren. Das brachte den Menschen im Tale über 350 Jahre lang Arbeit und Brot. Nahezu jeder hatte als Waldarbeiter, Köhler, Fuhrmann, Nagelschmied, Drahtzieher, Bauer oder Arbeiter in den Hammerschmieden mit dem Eisen zu tun.

Doch das Ende der Ära bahnte sich an, als die Holzkohle oder Torf dem Konkurrenzdruck der Steinkohle nicht mehr standhielten. Die Folge davon war das endgültige "Aus" für die hiesigen Eisengewerke im Jahre 1879. Eine für uns nicht vorstellbare Rezession war die Folge. Viele Talbewohner verloren ihre Beschäftigung und Armut und Not hielten Einzug im Priental.

Welch' ein Glück, dass gerade zu dieser Zeit die Cramer-Klett's nach Aschau kamen und als erfahrene Industrielle ihr Geld für eine moderne Infrastruktur einsetzten. Durch die Bahn kam nach und nach wieder Leben in den Ort, denn mit der Bahn konnte man bequem verreisen. So wurde bereits 1884 der Aschauer Verschönerungsverein und der Trachtenverein "D' Griabinga" Hohenaschau gegründet, die sich um das Wohlergehen der ersten "Sommerfrischler" am Fuße der Kampenwand kümmerten. Der Wirtschaftszweig Fremdenverkehr, von dem die Gemeinde heute überwiegend lebt, begann zu wachsen.

Vielleicht sind Ihnen die Streckenstillegungen allerorts durch die Deutsche Bahn in den 1970er/1980er Jahre noch in Erinnerung und Sie wundern sich in diesem Zusammenhang, dass hier bei uns auf der nur 9,9 km langen Strecke noch Schienenfahrzeuge verkehren. Natürlich drohte auch unserer Nebenlinie die Stillegung.

Nach 20 Jahren "Kampf" mit allen Mitteln erreichten wir jedoch ein Umdenken bei der Bahn und das damals einmalige Konzept "Chiemgau-Bahn" erblickte 1987 die Welt. Ein Modellversuch, an dem sich neben der Bundesbahn das Land Bayern und die Gemeinden Prien und Aschau beteiligten. Wir hoffen alle, dass schon im Sinne der Umwelt und des Fremdenverkehrs diese, im übrigen gut genützte Einrichtung, bestehen bleibt und verbessert wird.

Bahnhofsplatz und -gebäude gehören durch einen Tausch seit Ende des Jahrhunderts der Gemeinde. In einer großen Umbau-Aktion in den Jahren 2005/2006 integrierte die Gemeinde ein Park & Ride-System, gestaltete den Bahnhofsvorplatz um und renovierte das Bahnhofsgebäude. Daneben, wo heute der "Bergbauernladen" ist, unterhielt der Verschönerungsverein sein erstes Verkehrsbüro.

Nach Fertigstellung am 28. Mai 2006, wurde der Bahnhofsplatz aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses in "Hans-Clarin-Platz" umbenannt. Eine Gedenktafel am Gebäude erinnert an den am 28. August 2005 verstorbenen Schauspieler, der seine Prientaler Heimat schätzte und sich um Aschau i.Ch. vielfach verdient gemacht hat. Eine zweite Bronzetafel weist auf den Initiator und Förderer dieser Bahnlinie, Theodor von Cramer-Klett, hin.

Gegenüber dem Bahnhofsplatz sehen wir die drei Komplexe des "Seniorenheim Priental". Es bietet 66 alten Menschen Platz, ist mit einer Kurzzeitpflegestation ausgestattet und wurde von der Gemeinde unter großen finanziellen Anstrengungen 1993/95 gebaut. An dieser Stelle errichteten 1847/48 die örtlichen Nagelschmiedgesellen ein Krankenhaus, das nach verschiedenen Änderungen und Umbauten bis 1978 in Betrieb war und dann bis 1993 als gemeindliches Alten- und Pflegeheim genutzt wurde. Daneben das Rotkreuzheim der Ortsgruppe Aschau.

Wir setzen unseren Rundgang an der Bahnhofstraße fort, in der Ihnen sicher die älteren Häuser schon vom Baustil her auffallen. Die Ortsdurchfahrt, Bahnhofstraße und anschließende Kampenwandstraße bis Abzweig Aufhamer Straße/Hub, konnten bis 2006 saniert und verbessert werden.

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