Geigelstein Panorama, © Herbert Reiter

Naturschutzgebiet Geigelstein

Der Geigelstein liegt im westlichen Bereich der Chiemgauer Alpen und stellt mit seinen 1808 m Höhe den Hauptgipfel im Naturschutzgebiet dar, er bildet die Mitte der Bergsteigerdörfer Schleching & Sachrang...

Der am 1. Juni 1991 zum Naturschutzgebiet ernannte Geigelstein mit seinem 1.808 Meter hohen Hauptgipfel gilt aufgrund seiner zahllosen Blüten als Blumenberg des Chiemgaus.

Der Geigelstein liegt im westlichen Bereich der Chiemgauer Alpen und stellt mit seinen 1808 m Höhe den Hauptgipfel im Naturschutzgebiet dar. Südlich davon befindet sich der Breitenstein, nördlich schließt sich das Rossalmplateau mit Rossalpenkopf und Weitlahnerkopf an. Das Naturschutzgebiet reicht im Westen bis in die Tallagen des Prientals, im Osten bis ins Achental und bildet die Mitte der Bergsteigerdörfer Schleching und Sachrang.

Die verschiedenen Höhenstufen vom Tal bis in die Gipfellagen weisen völlig unterschiedliche Lebensbedingungen auf, wodurch eine große Artenvielfalt entsteht. Ausschlaggebend dafür ist der reichhaltige Naturraum: ausgedehnte Bergwälder, Almen und Bergbäche sowie Krummholz und Felsbereiche in den Gipfellagen bieten zahlreichen Wildtieren Schutz und Heimat. Zu den bekanntesten zählen Gämsen, Murmeltiere und die verschiedenen Raufußhühner (Schneehuhn, Birkhuhn, Auerhuhn).

Nicht zuletzt sorgt die Geologie für Abwechslung. Die charakteristische Gipfelpyramide des Geigelsteins besteht aus Hauptdolomit, der zu scharfen Graten verwittert. Mergelige Gesteine formen dagegen runde Geländeformen wie auf der Rossalm.

Detailierte Informationen finden Sie hier: Naturschutzgebiet Geigelstein

Vegetationszonen

Felsbereiche

Die markanten Grate im Geigelsteingebiet sind exponierte Lebensräume, in denen nur echte Spezialisten leben können. Geringe Humusauflage, häufige Trockenheit an Sonnentagen und Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht stellen die hier lebenden Organismen vor Herausforderungen. Die Stumpfblättrige Weide, die zu den kleinsten Gehölzen zählt und dennoch ein richtiger Baum ist, entgeht beispielsweise dem kalten Wind im Winter, indem sie ihre Zweige in den Untergrund presst. Einen weiteren Spezialisten stellen Flechten dar, die sich aus einem Pilz und einer Alge zusammensetzen (Zwillingsorganismen). Sie wachsen auf den nackten Felsen, wobei der Pilz vom Zucker profitiert, den die Alge produziert, während diese auf den Pilz angewiesen ist, der ihr Wasser spendet.

Latschengürtel

In den Hochlagen gedeihen keine Bäume mehr, da häufig Stürme tosen und der Sommer zu kurz ist. Dort siedeln Bergkiefern, im Bayerischen „Latschen“ genannt. Ihre elastischen Zweige lassen sich vom Schnee niederdrücken und richten sich nach der Schmelze unbeschadet wieder auf. In ihrem Schutz wachsen oft farbenprächtige Alpenpflanzen wie Almrausch, Alpenrebe oder Schneeheide. Das dichte Latschengebüsch bietet aber auch Gämsen, Rehen und den scheuen Raufußhühnern (Auerhuhn, Schneehuhn, Birkhuhn) Zuflucht.
Schuttreissen
Auf Grund der exponierten Lage sind die Felsen am Geigelstein der Verwitterung ausgesetzt. Durch die natürliche Zersetzung des Gesteins bilden sich Schotterflächen aus Felsschutt. Die Hohlräume zwischen den Steinen bieten Verstecke für Tiere – für Pflanzen stellen die sich bewegenden Schuttmassen allerdings einige Schwierigkeiten dar. Die Alpen-Pestwurz hat sich an die Bedingungen angepasst: wird sie vom Schutt bedeckt, wächst sie durch die Gesteinsmassen hindurch. Auch die Silberwurz besiedelt die Schuttreissen als Pionierpflanze und festigt dabei den Boden.

Almen

Einst besaßen Almen als sommerliche Futterquelle für das Vieh eine große Bedeutung, während die Bauern im Tal gleichzeitig Heu für den Winter gewannen. Mit der Rossalm (1700 m) befindet sich eine der höchstgelegenen Almen Deutschlands im Naturschutzgebiet. Heute werden hauptsächlich Jungtiere auf die Almen getrieben, da die Milchwirtschaft auf den Almen keine große Rolle mehr spielt. Folglich sind viele historisch belegte Almgebäude inzwischen verfallen.
Die meist durch Rodung von Bergwäldern entstandenen Almen sind ein jahrhundertealter Teil unserer Kulturlandschaft und haben das Landschaftsbild der Chiemgauer Alpen geprägt. Trockene, steindurchsetzte Bereiche grenzen an feuchte Senken und nährstoffreiche Stellen wechseln sich ab mit kargen Kuppen, mit einer bunten Artenvielfalt als Folge. Nur durch beständige Bewirtschaftung und durch das Entfernen aufkommender Gehölze (das Schwenden) bleiben die Almwiesen als Lebensraum für lichtbedürftige Arten erhalten. Enziane und Orchideen sind darunter meist die Farbenprächtigsten.
Auch Tiere nutzen die krautreichen und von Felsblöcken durchsetzten Bergwiesen, wie beispielsweise die Murmeltiere, die dort in selbstgegrabenen Erdhöhlen leben. Im Sommer kann man ihre schrillen Pfiffe hören, mit denen sie Artgenossen vor drohenden Gefahren warnen. Von Oktober bis März halten die Tiere Winterschlaf.
Wassergeprägte Lebensräume
Die hohen Niederschläge in den Gipfelbereichen speisen zahlreiche kleine Bergbäche, die das Wasser zur Prien und zur Tiroler Achen ableiten. Entlang der Bäche entwickeln sich oft blütenreiche und bunte Hochstaudenfluren mit Pestwurz, Alpendost und Greiskraut.
Auf den Steinen im Bergbach bildet sich ein feiner Algenüberzug, den Insektenlarven (z.B. Köcherfliegenlarven) abweiden. Diese dienen wiederum als Nahrung für Wasseramsel oder Bachforelle. Bei Regenwetter ist der sonst nachtaktive, dunkel gefärbte Alpensalamander zu sehen.

Bergwald

Große Bereiche der Berghänge im Naturschutzgebiet sind von Wald bedeckt. In unzugänglichen Schluchtbereichen haben sich urwaldähnliche Wälder mit mächtigen bemoosten Bergahornen, Eschen, Ulmen und Linden erhalten. Andernorts wurden die empfindlicheren Ahorne und Tannen durch jahrhundertelange Nutzung und Wildverbiss zugunsten von Fichte und Buche zurückgedrängt.
Der Bergwald beherbergt eine Vielzahl von seltenen Vogelarten wie Schwarz-, Dreizehen- und Weißrückenspecht, Sperlings- und Raufußkauz oder Hasel- und Auerhuhn. Zudem stellen intakte Bergwälder einen wichtigen Schutz der Tallagen vor Lawinen, Steinschlag und Muren dar.

Der Geigelstein im Winter

Im Winter ist der Geigelstein ein beliebter Skitourenberg und ein wichtiger Rückzugsort für scheue Tiere, darunter die vier heimischen Raufußhuhnarten Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Schneehuhn. Raufußhühner überleben den Winter nur durch äußerste Energieeinsparung und sind auf bestimmte Überwinterungsgebiete angewiesen. Um Störungen von Wildtieren zu vermeiden, findet am Geigelstein eine Besucherlenkung statt. Dies ermöglicht eine naturverträgliche Ausübung des Skitouren- und Schneeschuhgehens am Geigelstein.

Naturschutzgebiet Geigelstein, © Herbert Reiter
Blumenberg Geigelstein, © Herbert Reiter
Geigelstein Panorama, © Herbert Reiter
Almkühe Geigelstein, © Tourist Info Aschau i.Ch.
Geigelstein Gipfel, © Manuela Maier
Geigelstein, © Herbert Reiter
Geigelstein Südansicht, © Manuela Maier
Geigelstein Blumen, © Herbert Reiter
Geigelstein Schilder, © Herbert Reiter
Geigelstein Gipfelkreuz, © Manuela Maier
Geigelstein Blick Richtung Mühlhörndl
Geigelstein Naturschutzgebiet, © Manuela Maier
Geigelstein Blick auf Wilden Kaiser, © Manuela Maier
Priener Hütte Blick auf Wilden Kaiser Tirol, © Manuela Maier
Panoramatafel Priener Hütte, © Manuela Maier
Geigelstein - Blick auf Wilder Kaiser von der Priener Hütte, © Manuela Maier

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