Geigelstein Panorama, © Herbert Reiter

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Jubiläum - 30 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein

Der am 1. Juni 1991 zum Naturschutzgebiet ernannte Geigelstein mit seinem 1.808 Meter hohen Hauptgipfel gilt aufgrund seiner zahllosen Blüten als Blumenberg des Chiemgaus.

Der Geigelstein wurde am 1. Juni 1991 zum Naturschutzgebiet erklärt. Mit seinem 1.808 m hohen Hauptgipfel ist er für die Vielzahl an Blüten, die dort vorkommen, bekannt und wird häufig als „Blumenberg des Chiemgaus“ bezeichnet.

Der Geigelstein liegt im westlichen Bereich der Chiemgauer Alpen und bildet den höchsten Punkt des Naturschutzgebiets. Südlich schließt der Breitenstein an, nördlich das Rossalmplateau mit Rossalpenkopf und Weitlahnerkopf. Das Schutzgebiet reicht im Westen bis in die Tallagen des Prientals und im Osten bis ins Achental – und liegt damit genau zwischen den Bergsteigerdörfern Schleching und Sachrang.

Die verschiedenen Höhenstufen vom Tal bis zum Gipfel bieten sehr unterschiedliche Bedingungen. Dadurch entstehen vielfältige Lebensräume – von Bergwäldern über Almen und Bergbäche bis hin zu Krummholz‑ und Felsbereichen. In diesem Gebiet leben unter anderem Gämsen, Murmeltiere sowie Schneehuhn, Birkhuhn und Auerhuhn.

Auch die Geologie prägt das Landschaftsbild: Die markante Gipfelform des Geigelsteins besteht aus Hauptdolomit, der zu scharfen Graten verwittert. Mergelige Gesteine sorgen dagegen für weichere Geländeformen wie auf der Rossalm.

30 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein - 2021

Ein sichtbares Bekenntnis zu gemeinsamen Werten verbindet unsere beiden Gemeinden in den Bayerischen Alpen: Mit seinen 1.808 Metern Höhe bildet der Geigelstein – einer der bekanntesten Berge des Chiemgaus – die natürliche Verbindung zwischen Sachrang im Priental und Schleching im Achental.

2017 erhielt diese gemeinsame Achse eine besondere Anerkennung: Sachrang und Schleching wurden gemeinsam in den Kreis der Bergsteigerdörfer aufgenommen. Diese Auszeichnung eröffnet neue Perspektiven für die Zukunft unserer beiden Orte.

Bergsteigerdörfer stehen für Orte, die sich an den Grundsätzen der Initiative orientieren: eine Tourismusentwicklung, die auf Qualität, Ortskultur, Bergsport und bewusst gestaltete Angebote setzt.

1991 wurde das Gebiet um den Geigelstein aufgrund der dort vorkommenden Vielzahl an Pflanzen‑ und Tierarten zum Naturschutzgebiet erklärt.

Drei Jahrzehnte später zeigt sich, wie vorausschauend diese Entscheidung für unsere Region war. Heute stehen wir vor der Aufgabe, das Erreichte zu bewahren und verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.

Zwei starke Dorfgemeinschaften – ein gemeinsames Ziel: Die Landschaft, die uns verbindet, soll auch für kommende Generationen ein wertvoller Lebens‑ und Erholungsraum bleiben.

Simon Frank, Erster Bürgermeister Aschau i. Chiemgau
Josef Loferer, Erster Bürgermeister Schleching

Alle Informationen finden Sie im Jubiläumsprospekt: Zur Prospektbestellung und Onlineansicht

Den oben gezeigten Film zum Jubiläum, finden Sie auch hier.

 

Vegetationszonen

Felsbereiche

Die markanten Grate im Geigelsteingebiet bilden Lebensräume, in denen nur wenige, an diese Bedingungen angepasste Arten vorkommen. Geringe Humusauflage, häufige Trockenheit an sonnigen Tagen und deutliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht prägen diesen Standort.

Die Stumpfblättrige Weide – eines der kleinsten Gehölze – schützt sich im Winter vor Wind, indem sie ihre Zweige dicht an den Boden drückt.

Auch Flechten gehören zu den typischen Arten dieser Bereiche. Sie bestehen aus einer Symbiose von Pilz und Alge: Der Pilz erhält Zucker, den die Alge produziert, während die Alge vom Pilz mit Wasser versorgt wird. So können sie selbst auf nacktem Fels wachsen.

Latschengürtel

In den Hochlagen wachsen keine Bäume mehr, da hier häufig starke Winde auftreten und die Vegetationsperiode kurz ist. Stattdessen kommen Bergkiefern vor, im Bayerischen „Latschen“ genannt. Ihre elastischen Zweige werden im Winter vom Schnee niedergebogen und richten sich nach der Schneeschmelze wieder auf.

Zwischen den Latschen wachsen verschiedene Alpenpflanzen wie Almrausch, Alpenrebe oder Schneeheide. Auch Tiere wie Gämsen, Rehe sowie Auerhuhn, Schneehuhn und Birkhuhn nutzen diese Bereiche als Lebensraum.

Schuttreißen

Aufgrund der exponierten Lage verwittern die Felsen am Geigelstein besonders stark. Durch die natürliche Zersetzung des Gesteins entstehen Schotterflächen. Die Hohlräume zwischen den Steinen bieten Rückzugsmöglichkeiten für verschiedene Tierarten.

Für Pflanzen sind die sich bewegenden Schuttmassen eine besondere Standortbedingung. Die Alpen‑Pestwurz hat sich daran angepasst: Wird sie von Schutt bedeckt, wächst sie durch die Gesteinslagen hindurch. Auch die Silberwurz kommt in diesen Bereichen vor und trägt dazu bei, den Untergrund zu stabilisieren.

Almen

Früher hatten Almen als sommerliche Weideflächen für das Vieh eine große Bedeutung, während im Tal Heu für den Winter eingebracht wurde. Mit der Rossalm (1.700 m) liegt eine der höchstgelegenen Almen Deutschlands im Naturschutzgebiet. Heute werden vor allem Jungtiere aufgetrieben, da die Milchwirtschaft auf den Almen kaum noch praktiziert wird. Viele historische Almgebäude sind daher nicht mehr in Nutzung.

Die meist durch Rodung entstandenen Almflächen sind seit Jahrhunderten Teil der Kulturlandschaft der Chiemgauer Alpen. Trockene, steinige Bereiche wechseln sich mit feuchteren Senken und nährstoffreicheren Stellen ab. Dadurch entstehen unterschiedliche Standortbedingungen, auf denen verschiedene Pflanzenarten vorkommen. Durch regelmäßige Bewirtschaftung und das Entfernen junger Gehölze (Schwenden) bleiben die offenen Almflächen erhalten. Dazu zählen auch Arten wie Enziane und Orchideen.

Auch Tiere nutzen die von Felsblöcken durchsetzten Bergwiesen, darunter Murmeltiere, die dort in selbstgegrabenen Erdhöhlen leben. Im Sommer sind ihre Pfiffe zu hören, mit denen sie Artgenossen auf Veränderungen in ihrer Umgebung aufmerksam machen. Von Oktober bis März halten sie Winterschlaf.

Wassergeprägte Bereiche

Die hohen Niederschläge in den Gipfelregionen speisen zahlreiche kleine Bergbäche, die ihr Wasser zur Prien und zur Tiroler Achen führen. Entlang dieser Bäche entwickeln sich Hochstaudenfluren mit Arten wie Pestwurz, Alpendost und Greiskraut.

Auf den Steinen im Bach bildet sich ein feiner Algenfilm, der von Insektenlarven – etwa Köcherfliegenlarven – abgeweidet wird. Diese wiederum dienen Wasseramsel und Bachforelle als Nahrung. Bei feuchtem Wetter kann man den sonst nachtaktiven, dunkel gefärbten Alpensalamander beobachten.

Bergwald

Große Bereiche der Berghänge im Naturschutzgebiet sind von Wald bedeckt. In schwer zugänglichen Schluchtbereichen haben sich naturnahe Bergwälder mit bemoosten Bergahornen, Eschen, Ulmen und Linden erhalten. An anderen Stellen wurden Ahorn und Tanne durch frühere Nutzung und Wildverbiss weniger häufig, während Fichte und Buche dort häufiger vorkommen.

Im Bergwald leben verschiedene Vogelarten wie Schwarz‑, Dreizehen‑ und Weißrückenspecht, Sperlings‑ und Raufußkauz sowie Hasel‑ und Auerhuhn.

Die Bergwälder tragen zudem dazu bei, die Hänge zu stabilisieren und können so Lawinen, Steinschlag und Muren in den Tallagen abmildern.

Der Geigelstein im Winter

Im Winter ist der Geigelstein ein beliebtes Ziel für Skitourengeher. Gleichzeitig kommen dort verschiedene Raufußhuhnarten vor – darunter Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Schneehuhn –, die an die winterlichen Bedingungen angepasst sind und bestimmte Bereiche zur Überwinterung nutzen.

Um Störungen zu reduzieren, gibt es am Geigelstein eine Besucherlenkung. Sie unterstützt eine geordnete Nutzung der Routen für Skitouren und Schneeschuhgehende.

Naturschutzgebiet Geigelstein, © Herbert Reiter
Blumenberg Geigelstein, © Herbert Reiter
Geigelstein Panorama, © Herbert Reiter
Almkühe Geigelstein, © Tourist Info Aschau i.Ch.
Geigelstein Gipfel, © Manuela Maier
Geigelstein, © Herbert Reiter
Geigelstein Südansicht, © Manuela Maier
Geigelstein Blumen, © Herbert Reiter
Geigelstein Schilder, © Herbert Reiter
Geigelstein Gipfelkreuz, © Manuela Maier
Geigelstein Blick Richtung Mühlhörndl
Geigelstein Naturschutzgebiet, © Manuela Maier
Geigelstein Blick auf Wilden Kaiser, © Manuela Maier
Priener Hütte Blick auf Wilden Kaiser Tirol, © Manuela Maier
Panoramatafel Priener Hütte, © Manuela Maier
Geigelstein - Blick auf Wilder Kaiser von der Priener Hütte, © Manuela Maier

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